Schopenhauer - Mitleidsethik
Schopenhauer sieht die Sache mit den Tieren und der Ethik ganz anders als z.B. Kant. Seine Ethik ist im Gegensatz zu der Kants als Mitleidsethik zu begreifen. Das Mitleid ist also das zentrale ethische Kriterium. Schopenhauer verfolgt eine pathozentrische Einstellung (i.G. zu einer anthropozentrischen), wobei Mitleiden hier nicht nur ein Gefühl des Akteurs ist, sondern auch die Aufnahme des Leidens anderer (Tiere z.B.) fokussiert.
Schopenhauer war Gegner der apriorischen Pflichtenethik Kants. Für ihn gab es 3 Beweggründe für das Handeln:
- Das eigene Wohl = ein alle Lebewesen treibender, “animalischer”, neutraler Egoismus
- Das fremde Wehe = teuflische Boshaftigkeit
- Das fremde Wohl = MITLEID als “jene eigenthümliche Triebfeder” von Handlungen, “denen wir ächten moralischen Werth zuerkennen müssen”. (Vgl. Schopenhauer, Sämtliche Werke IV, 195)
Mitleid kann nicht eigenes Wohl und Wehe sein, denn es ist ein unegoistisches Gefühl, was man “ganz und gar des Anderen wegen hat”.
Kant rieb sich vor allem an den christlich konnotierten Worten der Barmherzigkeit/ des Erbarmens:
Erbarmt! Welch ein Ausdruck! Man erbarmt sich eines Sünders, eines Missetäters, nicht aber eines unschuldigen, treuen Thieres. (…) Nicht Erbarmen, sondern Gerechtigkeit ist man dem Thiere schuldig und bleibt sie meistens schuldig, in Europa, diesem Welttheil, der vom foetor Judaicus so durchzogen ist, dass die augenfällige, simple Wahrheit: ‘das Thier ist im wesentlichen das Selbe wie der Mensch’ ein anstößiges Paradoxon ist.” (Vgl. ebd., VI, 395.)
Schopenhauer verkehrt hier den Bibelvers “Der Gerechte erbarmt sich seines Viehs” (Spr. 12,10) und leider hat die moderne Tierschutzbewegung Schopenhauers antijüdisches Vorurteil übernommen.