No brain no pain?

“No brain, no pain”  ist die etwas zweckzynisch anmutende Zusammenfassung eines Biologen hinsichtlich der Schmerzempfindlichkeit von Schalentieren wie dem Hummer. Das rote Schalentier, das bis zu 100 Jahre alt werden kann, wird zubereitet, indem es lebend in kochendes Wasser geworfen wird. Zumeist kann der Kunde sein Essen quasi kennenlernen und dann wird es zubereitet.

Eine von der norwegischen Regierung finanzierte Studie spricht den Hummer und anderen Nicht-Wirbellosen Schmerzempfinden ab. Die wilden Bewegungen der Hummer im Kochtopf seien Fluchtbewegungen, jedoch keine Schmerzreaktion. Die Studie, die klären sollte, ob die Hummerkocherei ein Verstoß gegen Tierschutzgesetze darstellt (Norwegen überarbeitet gerade seine Tierschutz-Gesetzgebung), aber man kommt zu dem Schluß: “Lobsters and crabs have some capacity of learning, but it is unlikely that they can feel pain.” Die Literatur über Wirbellose wie Insekten, Schalentiere, Würmer und Mollusken wurde hierfür zusammengefaßt und untersucht.

Auch die Hummerbiologen in Maine, einem ‘Hotspot’ der Hummerindustrie, behaupten, dass Hummer aufgrund ihres primitiven Nervensystems und unterenwickelten Gehirns genauso wie Schnecken, Würmer so schmerzempfindungslos seien wie Insekten.

PETA-Anhänger sehen die Sache ganz anders: Die angenommenenQualen des Hummers sind Teil des ‘Fish Empathy Project’. Peta stellt klar, dass Hummer andere Individuen (wieder)erkennen können, sich an frühere Partnerschaften erinnern, Jungtieren helfen und diffizile Paarungsrituale hätten. PETA berichtet, dass in einem  Tierversuch an der Queens University Belfast 144 Hummern Essigsäure über die Fühler gegossen wurde. Die Tiere hätten bis zu 5 Stunden lang versucht, sich die ätzende Flüssigkeit von den Fühler zu putzen, für Peta ein klares Indiz der Schmerzempfindlichkeit des Hummers. Robert Elwood, der den Versuch durchgeführt hatte, sprach von einem Schmerzverhalten ähnlich der Wirbeltiere: “The prolonged, specifically directed rubbing and grooming is consistent with an interpretation of pain experience.”

Für die PETA Aktivistin Karin Robertson klingt die norwegische Studie parteiisch - zugunsten der Fischfangindustrie: “This is exactly like the tobacco industry claiming that smoking doesn’t cause cancer.”

Es ist fraglich, ob die Debatte jemals ein Ende finden wird. Die Argumentation um die Schmerzempfindlichkeit des Tieres und die Grenzziehung bei den Wirbellosen ein Standard. Doch selbst die norwegische Studie erkennt den Forschungsbedarf an. Es wird zumindest erwähnt, dass es wenig wissenschaftliche Erkenntnis bei Schalentieren und Schmerzempfindlichkeit gibt.

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