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Lampen aus Schafsmägen: Nachhaltiges Design?

Mittwoch, 03. September 2008

Kunst, in der Tiere als Darstellungsobjekte genutzt werden, wie in dem Fall der Installation des nicaraguanischen Künstlers Guillermo Vargas sind eindeutig verabscheuungswürdig: Er ließ ein paar Kinder im Armenviertel des nicaraguanischen Managua einen abgemagerten Straßenhund einfangen und kettete ihn in der städtischen Galerie an, mit der Anweisung an die Zuschauer, ihn weder zu füttern noch zu tränken. Dann nahm er mehrere Hand voll Trockenfutter und schrieb damit einen Satz an die Wand: “Du bist, was du liest”. Einen Tag später war die Schrift noch da - das Tier war tot. Verhungert und dehydriert.

Aber es gibt noch andere Künstler, die sich des “Sujets Tier” annehmen, und auch auf ganz andere Weise.

Seit mehr als 10 Jahren lebt und arbeitet die 1977 geborene Julia Lohmann in London. Ihre Cow Benches stehen im Museum of Modern Arts in New York; sie wurde als “Designer of the Future” nominiert und präsentierte diese Arbeit auf der Art Basel 2008. Von Haus aus Produktdesignerin, widmet sich Lohmann einem ganz anderem Feld: Sie will zum Aussagen zum Mensch-Tier-Verhältnis treffen und Mensch und Natur näher zusammen bringen. Durch ihr nachhaltiges Design (sie nutzt tierisches Material “nach”, so zum Beispiel Schafsmägen oder die Häute einer Kuh mit all ihren Verletzungen) als Aspekt ihrer Arbeitsethik möchte Lohmann Menschen dazu bringen, mehr darüber nachzudenken, wie sie Tiere (be)nutzen und konsumieren und ihre Beziehungen zu ihnen zu hinterfragen: Der Schock, wenn sie herausfinden, dass die hochästhetische Lampe aus einem vermeintlich ekligen Schafsmagen hergestellt wird.

Für Lohmann ist es unlogisch, dass wir den Muskel eines Schafs essen, seine Haut tragen, gar den Magen weiter verarbeitet als Geliermittel nutzen, aber vom Anblick seines Magens abgestoßen sind. Lohmann:

Ich mache mir viele Gedanken, was wir tun können, um das Ruder noch herumzureißen und Dinge nachhaltiger zu nutzen.

http://www.julialohmann.co.uk/product_installation/ruminantbloom/1.jpg

http://www.julialohmann.co.uk

Hurricane Gustav: Kein Tier muss zurück gelassen werden

Montag, 01. September 2008

Hurricane Gustav wütet derzeit über der 270.000 Einwohner zählenden Stadt New Orleans. Etwa 2mio Einwohner haben die Golfküste in einer der größten Evakuierungsaktionen der US-Geschichte verlassen. Man nimmt an, dass nur ca. 10.000 Menschen in New Orleans zurückgeblieben sind. Nahezu unvorstellbare Dimensionen!

Doch was geschieht mit den Haustieren, die für manche nach dem Wirbelsturm Kathrina, der vor drei Jahren 1.500 Menschen, aber auch tausende Haustiere tötete? 2005 haben viele Einwohner die Stadt nicht verlassen, da sie ihre Tiere nicht in Heime bringen konnten und nicht ohne sie aus der Stadt wollten. Die schönen Fotos von David Childs geben einen Eindruck von den unermeßlichen Aufgaben, vor die Tierschützer bei Katrina gestellt waren.

Dieses Mal hat man sich besser vorbereitet. Haustiere dürfen mit ihren Besitzern die Stadt verlassen. Rettungsorganisationen stellen Käfige in ausreichender Anzahl zur Verfügung und zudem werden die Tiere mit maschinenlesbaren Bändern versehen, falls sie unversehens von ihren Besitzern getrennt werden.

Die Tierrettungsorganisation Animal Rescue New Orleans leistet dort großartige Arbeit für die Vierbeiner!

Hunde-Entsorgung auf irische Art

Sonntag, 31. August 2008

Zum wiederholten Mal sind in Irland Greyhounds verstümmelt, mit Gewichten beschwert und ertränkt worden.

Wie die Irish Times berichtet, wurden die beiden Hunde im River Foyle nahe der Stadt St. Johnston im County Donegal mit Gewichten beschwert und ertränkt. In der Times liest sich das so:

They had probably ended their racing lives either through injury or for some other reason and their owner was no longer prepared to give them a home.

Warum entsorgt der freundliche, Guiness trinkende Paddy seine Hunde auf so eine grausame Art?

Weil der Staat Irland die Massenzucht von Rennhunden immer noch durch versteckte EU-Gelder subventioniert bekommt und lediglich überzählige, kostenintensive Objekte entsorgen muss.

Weil der Hund das Fremde, ist, das Außen. Er repräsentiert das Nicht-Ich, das Nicht-Eigene. Und deswegen gilt es, ihn zu unterwerfen, zu beherrschen und ihn am Ende zu eliminieren.

Nach dem französischen Philosophen Foucault zeigt sich die Macht des Menschen (über das Tier) auf zwei Weisen:

  1. Die Kontrolle über die Fortpflanzung, Geburten- und Sterblichkeitsrate, Lebensdauer und -nivau ist eine Form von Macht
  2. Die andere Form der Macht repräsentieren Disziplinierungsmaßnahmen wie Dressur oder Erziehung.

Macht reizt. Vor allem, wenn man sie mißbrauchen kann! Die Beziehung der Menschen zum Tier ist immer Spiegel ihrer Lebensanschauung. Es ist nicht nur der gesunde Hund der stirbt, sondern auch immer ein Stückweit Hoffnung auf Menschlichkeit: Das, was den Menschen vom Tier unterscheiden sollte.

Pandababy in Zoo geboren

Samstag, 30. August 2008

Im japanischen Zoo von Kobe erblickte am 26. August ein Pandababy das Licht der Welt. Das 23-24 cm große Baby, dessen Geschlecht noch nicht feststeht, ist das erste auf dem Wege künstlicher Befruchtung gezeugte Pandababy in Japan.

Das Wappentier des WWF ist vom Aussterben bedroht. Es gibt noch höchstens 1.600 Bambusbären in China. Dies ist zum Teil auf den natürlichen Vorgang des Blühens und Absterbens ausgedehnter Bambuswälder in China Ende der 1970er Jahre zurückzuführen; aber auch das bis 1998 betriebene Abholzen der chinesischen Bambuswälder trug zum massiven Aussterben der Großbären bei. Allein in der dicht besiedelten Provinz Sichuan wurde in den 1970er und 1980er Jahren die Hälfte des Lebensraumes des Pandas zerstört.

Bald weltweit Wetten auf Greyhounds möglich?

Dienstag, 26. August 2008

Wie der Irish Independent in seiner Ausgabe vom 1.7.2008 verlauten ließ, hat die irische Dachorganisation des Rennsports, das Irish Greyhound Board, einen riesigen Coup gelandet

Greyhoundrennen wäre längst vergessen, gäbe es nicht das Wettsportgeschäft und das Fernsehen. Das Gros der Rennen läuft nicht vor Zuschauern, sondern wird lediglich per Kamera in die Wettbüros übertragen. Nun soll die Elendsbetrachtung internationalisiert werden, wohl, da das Gesamtgeschäft auf den Inseln in bezug auf Zuschauerzahlen stark rückläufig ist. Nachdem seit einigen Wochen Wetter aus Schweden direkt in irischen Wettpools mitagieren können, soll diese Option jetzt weltweit angeboten werden: Das Irish Greyhound Board hat einen Vertrag mit dem Renn-Broadcaster TRN International abgeschlossen. Danach sind Totalisator-Wetten auf irische Rennhunde weltweit möglich, inklusive live-streaming von den Hauptrennbahnen Irlands.

Die tierschützerische Arbeit von Jahrzehnten steht auf dem Spiel. Während in England durch die Schließung der prominentesten Rennbahn des Landes (Walthamstow, London) am 16.8. eine hoffnungsvolle Tendenz sich abzuzeichnen schien, tritt hier eine noch viel größere Gefahr leise durch die Hintertür hinein.

Eine Welt, ein Traum? Tod und Spiele!

Freitag, 22. August 2008

Die diesjärigen olympischen Sommerspiele in China stehen unter dem Motto: “Eine Welt, ein Traum”. Wie schön! Leider könnte man die chinesische Wirklichkeit für Tiere eher unter dem Motto “Eine Welt, ein Albtraum” subsummieren.

Massentierhaltung und Tierquälerei sind universale Phänomene. Um Tierelend zu sehen, muss man nur aufmerksam durch die Nachbarschaft schlendern. Doch mit der aufkeimenden Wirtschaftskraft Chinas boomt auch der Bedarf an Tierfleisch und tierischen Erzeugnissen - inklusiver der Nebenmärkte in Europa.

China ist als Pelzlieferant für die Textilindustrie weltweiter Marktführer. Nerze z.B. werden getötet, indem ihre Schädel am Boden zertrümmert werden. Oft dient dieser Vorgang allerdings nur zur Betäubung, daher sind die Nerze bei der anschließenden Häutung bei Bewusstsein.

Katzen und Hunde dienen als Pelz- und als Nahrungslieferanten. Diese ehemaligen Luxusgüter werden mit zunehmendem Wirtschaftswachstum erschwinglich. Schätzungen zufolge werden täglich bis zu 10.000 Katzen allein in der Provinz Guangdong konsumiert, mehr als 20 Millionen Hunde werden pro Jahr geschlachtet.

Das Hunde- und Katzenfleisch wird in China konsumiert, die Felle finden sich an europäischen Bekleidungsstücken (z.B. Fellkragen an Jacken) oder kuschelig weichen Rheumadecken.

Kaninchenindustrie: China deckt mittlerweile ca. 80 Prozent des weltweiten Bedarfs an Angora-Kaninchenwolle ab. Darüber hinaus kommt fast die Hälfte des Kaninchenfleisches, das in Europa konsumiert wird, aus chinesischer Massentierhaltung.

Aufgrund der Globalisierung liegen Ursache und Wirkung dieser Zustände oft Tausende von Kilometern auseinander. Das chinesische Leid ist einerseits eine Variante des unendlichen Tierleids überall auf der Welt. Andererseits wird nur produziert, was Konsumenten nachfragen.

In Europa. In den USA.

Nicht “die da drüben”, sondern wir.