Archiv für die Kategorie ‘Ethische Positionen’

Greyhounds sind Wegwerfartikel

Montag, 04. Mai 2009

Es gibt bestimmt eine Stelle an eurem Hund, die ihr am allerliebsten streichelt. Bei mir sind es die samtig-weichen Öhrchen meiner Hündin. Die so lustig im Wind wackeln. Mit denen sie so komische Gesichter machen kann. Unvorstellbar, wenn einer käme und sie ihr abschneiden würde…

In Bedlington, Großbritannien, ist diese grausame Tat zum x-ten mal an einem Greyhound verübt worden. Man fand den schwarzen Rüden stark blutend, mit Isolierband an Füßen und Rücken gefesselt, auf einer Wiese. Nur dem Zufall ist es zu verdanken, dass er lebend gerettet werden konnte. Seine Ohren waren ihm abgeschnitten worden, um die eintätowierten Identifikationsnummern, die Renn-Greyhounds bei ihrer Registrierung beim Dachverband Greyhound Board of Great Britain bzw. Irish Greyhound Board bekommen, unkenntlich zu machen. Warum? Ganz einfach, weil die vierbeinige Rennmaschine keinen Cent mehr wert ist, sobald sie eine Zehntelsekunde zu langsam wird und kein Geld mehr einbringt. Oder eine Verletzung Geld kosten würde. Die Euthanasie, die die “RULE 18” der Rennregeln als “letzten Ausweg” anbietet, wenn eine Behandlung eines kranken Tieres unmöglich erscheint oder kein neues Zuhause (für 40.000 ‘überflüssige’ Hunde im Jahr? Ich lach mich tot) gefunden werden kann oder aus wirtschaftlichen Gründen - jaa, die soll ein Tierarzt vornehmen. 30 Pfund. Aber noch nicht mal diese Kosten sind diese Leute bereit, für ihre ausgebrannten Einnahmequellen auszugeben. Also wirft man den Hund ganz schnell weg und sorgt  noch dafür, nicht dabei erwischt zu werden.

Hier sind zwei Fotos, die die RSPCA von Dougie (so wurde der arme Kerl genannt) gemacht hat. Inzwischen befindet sich Dougie in veterinärmedizinischer Obhut und das Heilen seiner körperlichen Wunden macht Fortschritte.

Ich denke, die gerechte Strafe wäre es, dem Täter auch die Ohren abzuschneiden. Bei vollem Bewußtsein und ohne ihn dann medizinisch oder auch nur mitmenschlich zu betreuen. Einfach irgendwo gefesselt wegschmeißen. Nur verbieten unsere Gesetze Grausamkeiten dieser Art, so lange Menschen betroffen sind. Von daher kann man nur mal wieder an die Gesetzgeber und Verantwortlichen appellieren, doch endlich, endlich, endlich etwas gegen solche Täter zu tun.

Hier die Mail-Adresse des Welfare-Beauftragten des GBGB, Peter Laurie: welfare@gbgb.org.uk

Wer lieber mit ihm sprechen oder einen Brief schreiben möchte:

Peter Laurie (Welfare Officer)
Greyhound Board of Great Britain
Procter house
1 Procter Street
London
WC1V 6DW

Great Britain
Tel: 004420 7421 3770
Fax: 004420 7421 3777

Bitte helft.

Universelles Mitgefühl und Amerika

Freitag, 23. Januar 2009

Ingrid Newkirk ist streitbare und umstrittene Mitbegründerin und Präsident von PETA (People for the Ethical Treatment of Animals). PETA wiederum ist eine der weltweit größten Tierrrechtsorganisationen, die sich vor allem radikal gegen die Pelztierindustrie und Tierversuche wendet und den vegetarischen Lifestyle aktiv propagiert.

Newkirk, die sich der Philosophie des Princeton-Bioethikers Peter Singer (”Animal Liberation“) verpflichtet fühlt, hat anläßlich der Amtseinführung des amerikanischen Präsidenten Obama einen nachdenklich machenden Artikel über die Universalität des Mitgefühls verfasst. Amerika, so sagt sie, sei ein Schmelztigel, der bewußt mache, dass alle Menschen von irgendwoher “anders” herkommen, doch dass alle Wesen durch universelles, tätiges Mitgefühl geeint seien - Menschen UND Tieren gegenüber

Sie schließt mit einem Satz, der für zwischenmenschliche Beziehungen genauso gilt wie für unser Verhältnis zu Tieren:

Und alle von uns sind auf die wirklich entscheidende Weise schlichtweg Bewohner dieses Planeten mit dem Potential, mitfühlende Bürger zu sein.

(Quelle und ganzer Artikel: ‘Mitgefühl vereint uns’, www.peta.de)

Schopenhauer - Mitleidsethik

Freitag, 16. Januar 2009

Schopenhauer sieht die Sache mit den Tieren und der Ethik ganz anders als z.B. Kant. Seine Ethik ist im Gegensatz zu der Kants als Mitleidsethik zu begreifen. Das Mitleid ist also das zentrale ethische Kriterium. Schopenhauer verfolgt eine pathozentrische Einstellung (i.G. zu einer anthropozentrischen), wobei Mitleiden hier nicht nur ein Gefühl des Akteurs ist, sondern auch die Aufnahme des Leidens anderer (Tiere z.B.) fokussiert.

Schopenhauer war Gegner der apriorischen Pflichtenethik Kants. Für ihn gab es 3 Beweggründe für das Handeln:

  1. Das eigene Wohl = ein alle Lebewesen treibender, “animalischer”, neutraler Egoismus
  2. Das fremde Wehe = teuflische Boshaftigkeit
  3. Das fremde Wohl = MITLEID als “jene eigenthümliche Triebfeder” von Handlungen, “denen wir ächten moralischen Werth zuerkennen müssen”. (Vgl. Schopenhauer, Sämtliche Werke IV, 195)

Mitleid kann nicht eigenes Wohl und Wehe sein, denn es ist ein unegoistisches Gefühl, was man “ganz und gar des Anderen wegen hat”.

Kant rieb sich vor allem an den christlich konnotierten Worten der Barmherzigkeit/ des Erbarmens:

Erbarmt! Welch ein Ausdruck! Man erbarmt sich eines Sünders, eines Missetäters, nicht aber eines unschuldigen, treuen Thieres. (…) Nicht Erbarmen, sondern Gerechtigkeit ist man dem Thiere schuldig und bleibt sie meistens schuldig, in Europa, diesem Welttheil, der vom foetor Judaicus so durchzogen ist, dass die augenfällige, simple Wahrheit: ‘das Thier ist im wesentlichen das Selbe wie der Mensch’ ein anstößiges Paradoxon ist.” (Vgl. ebd., VI, 395.)

Schopenhauer verkehrt hier den Bibelvers “Der Gerechte erbarmt sich seines Viehs” (Spr. 12,10) und leider hat die moderne Tierschutzbewegung Schopenhauers antijüdisches Vorurteil übernommen.

Kant und Tierrechte

Donnerstag, 15. Januar 2009

Ich habe nochmal über Andreeas Kommentare zu Kant nachgedacht.
Nein, nach Kant (’Kantianismus’ i.G. zu Utilitarismus oder Kontraktualismus) haben Tiere (oder Ökosysteme) keinen moralisch inhärenten Stellenwert. Es geht dabei nicht um die Frage, ob man Tiere schätzt oder für wertvoll erachten. Direkte Rechte leiten sich nur aus einem direkten moralischen Stellenwert (also einem inhärentem, dem Tier selbst innewohnenden Stellenwert ab).
Wenn etwas einen inhärenten moralischen Status besitzt, gibt es also direkte Gründe dafür, diese Entitäten wertzuschätzen, und diese Gründe beziehen sich in direkter Weise auf moralische WErte.

Kant ist der Auffassung, dass es eine moralische, technische und pragmatische Differenz zwischen Mensch und Tier gibt. Pragmatisch insofern, als dass “bei allen sich selbst überlassenen Tieren jedes Individuum seine ganze Bestimmung erreicht, bei den Menschen aber allenfalls die Gattung”
Diese These verleugnet die Abhängigkeit der tierlichen Ontogenese von materiellen un sozialen Faktoren, entspricht aber auch der anthropologischen und politischen Auffassung Kants, gemäß der sich das menschliche Geschlecht nur durch Fortschreiten in einer Reihe von Generationen zu seiner wahren Bestimmung hinarbeiten kann. Das Bild des Tieres war also eine Art Folie für die Standortbestimmung des Menschen (mal wieder) und die sittlichen Anforderungen an des Menschen Sozialverhalten. Kant/ “die Aufklärung” nehmen sich hinsichtlich dessen, was sie an Tieren interessiert, die Antike zum Vorbild: Tiere sind ein pädagogisches Medium. Wie Aristoteles auch hat Kant ein Naturstufenschema - mit einem Vernunftprimat verbunden: die Tierheit des Menschen muss er durch seine ihm gegebene Vernunft überwinden.
Und noch etwas. Die Ehtik Kants ist eine Sollensethik, eine Pflichtenethik. In seiner Begründung unterscheidet sich Kant von der Antike und auch von Descartes, da er 1. eine tierliche Leidensfähigkeit voraussetzt und 2. die Pflichten gegen Tiere säkularisiert (es sind Pflichten gegen Gott aber (und das ist das wichtige) in Ansehung der Tiere. Tierquälerei verbietet sich somit “als vollkommene Pflicht gegen sich selbst” (der Mensch hat vor seinem eigenen Gewissen Rechenschaft abzulegen. Vollkommene i.G. zu unvollkommenen Pflichten sind solche, die wie ein Verbot als Unterlassungspflichten aufzufassen sind, z.B. sich durch Selbstmord als moralisches Subjekt selbst zu beschädigen). Aber eben ist dies nur, wie eingangs erwähnt, eine INDIREKTE Pflicht gegen Tiere.
Und das wichtigste zum Schluss: Bei Kant hat nur der Rechte, der Pflichten eingehen kann. Symmetrische Gerechtigkeitsbeziehungen gehen nur dann, wenn das Wesen a) empririsch gegeben ist, um seinen Willen äußern zu können (das “verfehlt” Gott) und b) muss es moralisch befähigt sein, also einen moralischen Willen besitzen (das “verfehlen” Tiere oder Ökosysteme). Rechtsbeziehungen können nur dann bestehen, wenn ein autonomer Wille beider Parteien vorliegt, und den spricht Kant Tieren (und auch den Ökosystemen) ab.
(Vgl. dazu Metaphysik der Sitten §16,17)
Die Qualität der Anthropozentrik Kants liegt darin, dass die indirekten moralischen Pflichten durch die Verantwortung des Menschen vor sich selbst evtl. (im Idealfall) schwerer wiegen können als eine reine Verantwortlichkeit in Ansehung Gottes.

Sind Hunde die besseren Menschen?

Donnerstag, 27. November 2008

Auf einer Seite für Hundeartikel fand ich auf ein paar kleine Sätze, die mich nachdenklich gestimmt haben:

Why Dogs don’t live as long as People…

People are born so that they
can learn how to live a good life
– like loving everybody all the
time and being nice, right?”

“Well, dogs already know how to
do that, so they don’t have to
stay as long.”

Live simply. Love generously.
Care deeply, Speak kindly.
Leave the rest to our Gods.”

Brauchen wir wirklich Tiere, um von ihnen Menschlichkeit zu lernen, wo es doch das Tier ist, welches als roh und “dumpf” (das stammt von Kant!) gilt? Ist es das Tier, was uns von unserer eigenen Vertiertheit befreien soll, indem es Tier ist und bleibt , während wir die Wahl haben (im Guten wie im Schlechten)?

Ist es das Tier in uns, was tiefe, wahrhaftige, authentische, …, Gefühle erlaubt - oder uns ihre Ermangelung vor Augen führt - oder was uns klar macht, dass der Mensch dieser Gefühle nicht fähig ist?

Liegt die Menschlichkeit im Hund vergaben oder die Sehnsucht des Menschen nach einer besseren, reineren, menschlicheren Welt, die er im Tier zu finden glaubt?

… because they suffer

Freitag, 22. August 2008
Verbraucht, Verstümmelt, Vergessen

Verbraucht, Verstümmelt, Vergessen: Galgo in Spanien

Der berühmte Utilitarist Jeremy Bentham (1748-1832) war kein Tierrechtler. Dennoch schrieb er in einer Fußnote, die sich eigentlich auf die Rechte der Schwarzen bezieht:

Es mag der Tag kommen, da man erkennt, dass die Zahl der Beine, der Haarwuchs oder das Ende des os sacrum gleichermaßen unzureichende Gründe sind, ein fühlendes Wesen dem selben Schicksal zu überlassen. Was sonst ist es, das hier die unüberwindbare Trennlinie ziehen sollte? Ist es die Fähigkeit zu denken, oder vielleicht die Fähigkeit zu sprechen? Aber ein ausgewachsenes Pferd oder ein Hund sind unvergleichlich vernünftigere und mitteilsamere Lebewesen als ein Kind, das erst einen Tag, eine Woche oder selbst einen Monat alt ist.

Doch selbst vorausgesetzt, sie wären anders, was würde es ausmachen?

Die Frage ist nicht: können sie denken? Oder: können sie sprechen?, sondern: können sie leiden?

(An Introduction to the Principles of Morals and Legislation)