Heike Baranzke, Hans Werner Ingensiep: Das Tier

31. August 2008

Im August 2008 erschien “Das Tier” in der Reihe Grundwissen Philosophie bei Reclam. Die Autoren, Hans Werner Ingensiep, Professor für Philosophie Wissenschaftsgeschichte an der Uni Duisburg Essen und Dr. Heike Baranzke, Moraltheologin an der Uni Bonn, sind keine Newcomer im Bereich der Tierethik. Und so fundiert und informativ ist auch ihr neuester, 149 Seiten umfassender Band.

In Anlehnung an Kants Schlüsselfragen behandeln sie 4 tierethische und -rechtliche Grundfragen:

  1. Was ist das Tier?
  2. Was kann ich vom Tier wissen?
  3. Was soll ich in Ansehung des Tieres tun?
  4. Was darf das Tier hoffen?

Kritische Tierphilosophie ist für die Autoren keine Philosophie aus der Perspektive des Tieres. Vielmehr ist die Frage, was “das Tier” ist, vom Menschenbild abhängig und umgekehrt.

Neben einem philosophie- und kirchengeschichtlichen Abriß ist besonders die Darstellung der modernen tierethischen und -rechtlichen Positionen verständlich und eingängig formuliert. Vor allem Peter Singer, Begründer und Gallionsfigur der animal rights und wahrscheinlich meist zitierter Philosoph auf nicht-philosophischen Tierethik-Seiten wird kritisch durchleuchtet.

Baranzke und Ingensiep ist mit diesem nur 9,90 teuren Bändchen ein großer Wurf gelungen.

Nicht nur dem Philosophie-Profi, auch dem interesierten Laien eröffnet dieses Werk einen guten Einblick in die Ideengeschichte der Tierethik und die wichtigen historischen sowie rezenten philosophischen Positionen.

Zudem macht es Lust, sich einmal wieder eingehender mit den Klassikern wie Immanuel Kants Tugendlehre (Metaphysik der Sitten) auseinanderzusetzen!

Hunde-Entsorgung auf irische Art

31. August 2008

Zum wiederholten Mal sind in Irland Greyhounds verstümmelt, mit Gewichten beschwert und ertränkt worden.

Wie die Irish Times berichtet, wurden die beiden Hunde im River Foyle nahe der Stadt St. Johnston im County Donegal mit Gewichten beschwert und ertränkt. In der Times liest sich das so:

They had probably ended their racing lives either through injury or for some other reason and their owner was no longer prepared to give them a home.

Warum entsorgt der freundliche, Guiness trinkende Paddy seine Hunde auf so eine grausame Art?

Weil der Staat Irland die Massenzucht von Rennhunden immer noch durch versteckte EU-Gelder subventioniert bekommt und lediglich überzählige, kostenintensive Objekte entsorgen muss.

Weil der Hund das Fremde, ist, das Außen. Er repräsentiert das Nicht-Ich, das Nicht-Eigene. Und deswegen gilt es, ihn zu unterwerfen, zu beherrschen und ihn am Ende zu eliminieren.

Nach dem französischen Philosophen Foucault zeigt sich die Macht des Menschen (über das Tier) auf zwei Weisen:

  1. Die Kontrolle über die Fortpflanzung, Geburten- und Sterblichkeitsrate, Lebensdauer und -nivau ist eine Form von Macht
  2. Die andere Form der Macht repräsentieren Disziplinierungsmaßnahmen wie Dressur oder Erziehung.

Macht reizt. Vor allem, wenn man sie mißbrauchen kann! Die Beziehung der Menschen zum Tier ist immer Spiegel ihrer Lebensanschauung. Es ist nicht nur der gesunde Hund der stirbt, sondern auch immer ein Stückweit Hoffnung auf Menschlichkeit: Das, was den Menschen vom Tier unterscheiden sollte.

Pandababy in Zoo geboren

30. August 2008

Im japanischen Zoo von Kobe erblickte am 26. August ein Pandababy das Licht der Welt. Das 23-24 cm große Baby, dessen Geschlecht noch nicht feststeht, ist das erste auf dem Wege künstlicher Befruchtung gezeugte Pandababy in Japan.

Das Wappentier des WWF ist vom Aussterben bedroht. Es gibt noch höchstens 1.600 Bambusbären in China. Dies ist zum Teil auf den natürlichen Vorgang des Blühens und Absterbens ausgedehnter Bambuswälder in China Ende der 1970er Jahre zurückzuführen; aber auch das bis 1998 betriebene Abholzen der chinesischen Bambuswälder trug zum massiven Aussterben der Großbären bei. Allein in der dicht besiedelten Provinz Sichuan wurde in den 1970er und 1980er Jahren die Hälfte des Lebensraumes des Pandas zerstört.

Hunde-Poesie: Gene Hill

28. August 2008

He is my other eyes that can see above the clouds; my other ears that hear above the winds. He is the part of me that can reach out into the sea. He has told me a thousand times over that I am his reason for being; by the way he rests against my leg; by the way he thumps his tail at my smallest smile; by the way he shows his hurt when I leave without taking him. (I think it makes him sick with worry when he is not along to care for me.)

When I am wrong, he is delighted to forgive. When I am angry, he clowns to make me smile. When I am happy, he is joy unbounded. When I am a fool, he ignores it. When I succeed, he brags. Without him, I am only another woman. With him, I am all-powerful. He is loyalty itself. He has taught me the meaning of devotion.

With him, I know a secret comfort and a private peace. He has brought me understanding where before I was ignorant. His head on my knee can heal my human hurts. His presence by my side is protection against my fears of dark and unknown things.

He has promised to wait for me… whenever… wherever - in case I need him.

And I expect I will - as I always have. He is just my dog.

Gene Hill: Tears and Laughter

Nachtrag zum Artikel: Wetten in Deutschland

27. August 2008

Soeben fand ich im Internet eine Pressemitteilung, nach der das Wetten auf Hunde in Deutschland schon lange möglich ist!

Paddypower, der Marktführer für Wettgeschäfte in Irland, bietet sein gesamtes Produktportfolio bereits seit dem 25.4.2006 auch deutschen Kunden an. Eine beschämende Vorstellung, wie der deutsche Fernseh-Sportler auf dem Sofa sitzt, sein Bier trinkt, nichts ahnend den Hunden zuschaut, die um ihr Leben laufen und dabei seinen eigenen Bello krault.

Ob er weiß, dass kaum aus jedem Rennen mindestens einer von sechs Hunden das Jahresende nicht erleben wird?

Ob er weiß, dass jedes Jahr Tausende dieser Hunde getötet werden, nur weil sie zu langsam sind?

Ob er weiß, dass die Hunde unter häufig katastrophalen Bedingungen gehalten und ins Rennen geschickt werden?

Ob er weiß, dass sie nichts wert sind, seelenlose speed machines?

Ob er Bilder wie dieses kennt? Rennhunde, getötet, weggeworfen, achtlos entsorgt wie eine Tüte Müll?

The loser's fate. You bet, they die

The loser's fate. You bet, they die

Paddypower erzielte in 2005 einen Umsatz von 1,4 Mrd. Euro, mit einem Plus von 20% im Vergleich zum Vorjahr und ist seit 2000 börsennotiert.

Beschwerden über das Geschäft mit dem Tod Tausender junger und gesunder Hunde nimmt sicherlich herzlich gern Paddypowers Pressesprecher Ken Robertson entgegen.

mail: krobertson@paddypower.com; fon: 00353-01 404 5915; mobil: 00353-087 852 8718.

Bald weltweit Wetten auf Greyhounds möglich?

26. August 2008

Wie der Irish Independent in seiner Ausgabe vom 1.7.2008 verlauten ließ, hat die irische Dachorganisation des Rennsports, das Irish Greyhound Board, einen riesigen Coup gelandet

Greyhoundrennen wäre längst vergessen, gäbe es nicht das Wettsportgeschäft und das Fernsehen. Das Gros der Rennen läuft nicht vor Zuschauern, sondern wird lediglich per Kamera in die Wettbüros übertragen. Nun soll die Elendsbetrachtung internationalisiert werden, wohl, da das Gesamtgeschäft auf den Inseln in bezug auf Zuschauerzahlen stark rückläufig ist. Nachdem seit einigen Wochen Wetter aus Schweden direkt in irischen Wettpools mitagieren können, soll diese Option jetzt weltweit angeboten werden: Das Irish Greyhound Board hat einen Vertrag mit dem Renn-Broadcaster TRN International abgeschlossen. Danach sind Totalisator-Wetten auf irische Rennhunde weltweit möglich, inklusive live-streaming von den Hauptrennbahnen Irlands.

Die tierschützerische Arbeit von Jahrzehnten steht auf dem Spiel. Während in England durch die Schließung der prominentesten Rennbahn des Landes (Walthamstow, London) am 16.8. eine hoffnungsvolle Tendenz sich abzuzeichnen schien, tritt hier eine noch viel größere Gefahr leise durch die Hintertür hinein.

USA: Tracks of their tears

25. August 2008

Wie sieht die Situation der Greyhounds in den Vereinigten Staaten aus? Hier ein Kommentar zum Status Quo der Lage von Joan Eidinger, Herausgeberin des online-Magazins Greyhound Network News Online in der Frühling/Sommer-Ausgabe 2008.

The closure of Colorado’s Mile High track and the impending closure of The Woodlands track in Kansas City, Kansas, bring the total number of closed greyhound tracks to 36. More than 700 greyhounds were kenneled at Mile High; 900 are kenneled at The Woodlands. Mile High and The Woodlands were the last operating tracks in Colorado and Kansas, which brings the number of states conducting greyhound racing to 11. It also appears likely that the ballot initiative to ban dog racing in Massachusetts will succeed, which will close two more tracks, adding another state to the list. While this is good news for those who are opposed to dog racing because of its inherent cruelty, please keep in mind that track closures place hundreds of greyhounds at extreme risk. Whether you live in a racing or non-racing state, please support greyhound adoption groups in your region of the country. For the love of greyhouds, Joan Eidinger, Editor & Publisher

Zudem wurde am 22.7. die Schließung der Rennbahn in Massachusetts angekündigt, sodass sich die Zahl der amerikanischen Staaten, die Greyhound-Rennen betreiben, auf 10 reduziert.

Pro Rennbahn werden etwa 1000 Hunde in Rennbahn-Kennels (Zwinger) gehalten, um den Bahnbetrieb aufrecht erhalten zu können. Auf die Rettungsorganisationen wird also immense Arbeit zukommen. Eine gute Vorstellung von der immensen Aufgabe dieser sogenannten rescue organisations bekommt man auf den Seiten der Greyhound Protection League.

… because they suffer

22. August 2008
Verbraucht, Verstümmelt, Vergessen

Verbraucht, Verstümmelt, Vergessen: Galgo in Spanien

Der berühmte Utilitarist Jeremy Bentham (1748-1832) war kein Tierrechtler. Dennoch schrieb er in einer Fußnote, die sich eigentlich auf die Rechte der Schwarzen bezieht:

Es mag der Tag kommen, da man erkennt, dass die Zahl der Beine, der Haarwuchs oder das Ende des os sacrum gleichermaßen unzureichende Gründe sind, ein fühlendes Wesen dem selben Schicksal zu überlassen. Was sonst ist es, das hier die unüberwindbare Trennlinie ziehen sollte? Ist es die Fähigkeit zu denken, oder vielleicht die Fähigkeit zu sprechen? Aber ein ausgewachsenes Pferd oder ein Hund sind unvergleichlich vernünftigere und mitteilsamere Lebewesen als ein Kind, das erst einen Tag, eine Woche oder selbst einen Monat alt ist.

Doch selbst vorausgesetzt, sie wären anders, was würde es ausmachen?

Die Frage ist nicht: können sie denken? Oder: können sie sprechen?, sondern: können sie leiden?

(An Introduction to the Principles of Morals and Legislation)

Tödliche Tierversuche bei Mars Inc.

22. August 2008

Wir mögen sie doch alle: die leckeren Schokoriegel des Süßwarenherstellers Mars, Inc.: Snickers, Twix, Bounty, Milky Way, M&M’s, Amicelli, für jeden süßen Zahn ist etwas dabei. Leider machen die Riegelchen nicht alle bloß dick und glücklich.

Die Tierrechtsorganistation Peta ermittelte undercover, dass Mars Inc. nach wie vor tödliche Tierversuche finanziert.

Derzeit finanziert Mars Inc. ein tödliches Experiment an Ratten, mit dem der Effekt von Schokolade auf deren Blutgefäße getestet werden soll. Experimentatoren haben Ratten mit Hilfe von Plastikschläuchen zwangsernährt und dann die Beine der Tiere aufgeschnitten, um eine Arterie freizulegen, die abgeklemmt ist, um den Blutfluss zu stoppen. Nach dem Test werden die Tiere getötet. Des Weiteren finanziert Mars Inc. grausame Experimente an Mäusen, in denen den Tieren ein Inhaltsstoff einer Süßigkeit verabreicht wurde und sie dann gezwungen wurden, in einem Becken mit Wasser und Farbe zu schwimmen. Die Mäuse mussten eine versteckte Plattform finden, um nicht zu ertrinken – nur um daraufhin getötet und seziert zu werden. In einem weiteren, von Mars Inc. unterstützten Test, wurden Ratten mit Kakao gefüttert und mit Kohlendioxid betäubt, so dass man ihnen Blut, direkt aus dem Herzen, mit einer Nadel abzapfen konnte – das führt häufig zu inneren Blutungen und anderweitigen, tödlichen Komplikationen.

Mars behauptet, keine Tierversuche durchzuführen:

In the development of our snackfood and human food and drink products, as well as our products for dogs, cats, birds and horses, we do not undertake, support or sponsor research that harms animals.

Die Realität, so Peta, sieht ganz anders aus. Auch wenn es auf der Hand liegt, dass die empfindungsfähigen nichtmenschlichen Lebewesen, die von Mars Inc. für Tests eingesetzt werden, schmerz- und leidensfähig sind wie Menschen, stellt Mars Inc. diese ethisch bedenklichen Tests bislang nicht ein.

Das Leben der Tiere findet unter grausamsten Schmerzen und Qualen statt, eingepfercht in nicht artgerechten Stahlkisten vegetieren die Tiere dahin, bis sie am Experiment sterben oder euthanasiert werden.

Sowohl die Notwendigkeit als auch die Aussagekraft der Tests an nicht-menschlichen Lebewesen wird von Ärzten bestritten, da sich menschliche und tierische anatomisch-physische sowie psychische Gegebenheiten nicht 1:1 übertragen lassen. Alternative In-Vitro Tests existieren. Sie sind aussagekräftiger, zuverlässiger und billiger als Tierversuche.

Als mündige Konsumenten können wir uns entscheiden, Produkte eines anderen Herstellers zu kaufen. Zudem kann jede(r) auch im deutschen Stammwerk, der Mars Süßwaren GmbH in Viersen, ihrem/seinem Protest gegen diese Praktiken Ausdruck verleihen: 02162-5000.

Eine Welt, ein Traum? Tod und Spiele!

22. August 2008

Die diesjärigen olympischen Sommerspiele in China stehen unter dem Motto: “Eine Welt, ein Traum”. Wie schön! Leider könnte man die chinesische Wirklichkeit für Tiere eher unter dem Motto “Eine Welt, ein Albtraum” subsummieren.

Massentierhaltung und Tierquälerei sind universale Phänomene. Um Tierelend zu sehen, muss man nur aufmerksam durch die Nachbarschaft schlendern. Doch mit der aufkeimenden Wirtschaftskraft Chinas boomt auch der Bedarf an Tierfleisch und tierischen Erzeugnissen - inklusiver der Nebenmärkte in Europa.

China ist als Pelzlieferant für die Textilindustrie weltweiter Marktführer. Nerze z.B. werden getötet, indem ihre Schädel am Boden zertrümmert werden. Oft dient dieser Vorgang allerdings nur zur Betäubung, daher sind die Nerze bei der anschließenden Häutung bei Bewusstsein.

Katzen und Hunde dienen als Pelz- und als Nahrungslieferanten. Diese ehemaligen Luxusgüter werden mit zunehmendem Wirtschaftswachstum erschwinglich. Schätzungen zufolge werden täglich bis zu 10.000 Katzen allein in der Provinz Guangdong konsumiert, mehr als 20 Millionen Hunde werden pro Jahr geschlachtet.

Das Hunde- und Katzenfleisch wird in China konsumiert, die Felle finden sich an europäischen Bekleidungsstücken (z.B. Fellkragen an Jacken) oder kuschelig weichen Rheumadecken.

Kaninchenindustrie: China deckt mittlerweile ca. 80 Prozent des weltweiten Bedarfs an Angora-Kaninchenwolle ab. Darüber hinaus kommt fast die Hälfte des Kaninchenfleisches, das in Europa konsumiert wird, aus chinesischer Massentierhaltung.

Aufgrund der Globalisierung liegen Ursache und Wirkung dieser Zustände oft Tausende von Kilometern auseinander. Das chinesische Leid ist einerseits eine Variante des unendlichen Tierleids überall auf der Welt. Andererseits wird nur produziert, was Konsumenten nachfragen.

In Europa. In den USA.

Nicht “die da drüben”, sondern wir.